Mercy
Jahr: 2026
Regisseur: Timur Bekmambetov
Darsteller: Chris Pratt, Rebecca Ferguson, Kali Reis
Gesehen am: 26. Jänner 2026 (Montag), 20:30 Uhr
Kino: Cineplex Linz
Handlung
In einem futuristischen Los Angeles mit steigender Kriminalität nutzt der Mercy Capital Court KI-Richter, um Angeklagte wegen Gewaltverbrechen vor Gericht zu stellen. Die KI-Richter geben den Angeklagten alle verfügbaren Ressourcen, um alle benötigten Beweise zu finden und vorzulegen. Sie haben 90 Minuten Zeit, ihre Unschuld zu beweisen, oder werden durch einen Schallimpuls hingerichtet.
Detective Christopher "Chris" Raven (Chris Pratt), ein starker Befürworter des Gerichts, wird auf einen Stuhl geschnallt und wegen des Mordes an seiner Frau Nicole vor Gericht gestellt. Er hat 90 Minuten Zeit, Richterin Maddox (Rebecca Ferguson), eine KI-Richterin, von seiner Unschuld zu überzeugen. Alle Beweise deuten darauf hin, dass Chris seine Frau getötet hat - ihr Blut wurde auf seiner Kleidung gefunden und Türkamera-Aufnahmen zeigen ihn kurz vor ihrem Tod zu Hause.
Meine Meinung
Was mir an Mercy besonders gefallen hat, ist die grundsätzliche Prämisse: Der Film spielt mehr oder weniger in einem einzigen Raum, und der Plot entwickelt sich in Echtzeit. Diese Konzentration auf einen Schauplatz und die ständig tickende Uhr von 90 Minuten erzeugen eine intensive, klaustrophobische Atmosphäre, die den Zuschauer in Chris Ravens verzweifelte Situation hineinzieht.
Wenn ich selbst einen Film schreiben würde, würde er wahrscheinlich ungefähr so wie Mercy aussehen - diese Art von reduzierter, konzentrierter Erzählweise mit einem klaren Zeitrahmen und begrenztem Raum hat etwas sehr Reizvolles. Die Idee, dass ein Protagonist gegen die Zeit kämpfen muss, während er an einem Ort gefangen ist, bietet enorme dramaturgische Möglichkeiten.
Das User Interface und die Apple Vision Pro
Was mir besonders gefallen hat, war das User Interface von Mercy selbst - also die KI-Richterin Maddox und wie sie visualisiert wurde. Das Interface hat mich sehr stark an die Apple Vision Pro erinnert, und das hat für mich ein ganz spezielles Filmerlebnis geschaffen. Auf der einen Seite wirkte manches am User Interface sehr unrealistisch, aber auf der anderen Seite denke ich mir: Viele Menschen, die die Apple Vision Pro noch nicht aufgehabt haben, würden sich denken, dass sehr viele Sachen nicht funktionieren, die eigentlich schon funktionieren. Von daher war es für mich ein sehr persönliches und zeitgemäßes Filmerlebnis - die Grenze zwischen dem, was heute schon möglich ist und dem, was in der nahen Zukunft möglich sein könnte, verschwimmt zunehmend.
Was funktioniert
- Die Prämisse: Das Konzept eines KI-Gerichts, das Angeklagte in 90 Minuten verhört, ist faszinierend und zeitgemäß
- Die Kammerspiel-Atmosphäre: Der begrenzte Schauplatz verstärkt die Spannung
- Die Echtzeit-Entwicklung: Die tickende Uhr gibt dem Film einen unerbittlichen Rhythmus
- Chris Pratt: Seine Darstellung eines verzweifelten Detektivs, der seine Unschuld beweisen muss, ist überzeugend
- Rebecca Ferguson: Als KI-Richterin Maddox bringt sie eine interessante Balance zwischen Menschlichkeit und Künstlichkeit
Was weniger funktioniert
Obwohl das Grundkonzept stark ist, hat der Film einige Schwächen in der Ausführung. Die negative Kritikerbewertung (24% auf Rotten Tomatoes) und das enttäuschende Box-Office-Ergebnis ($42 Millionen bei einem Budget von $60 Millionen) deuten darauf hin, dass der Film sein Potenzial nicht voll ausschöpfen konnte.
Abschließende Gedanken
Mercy ist ein Film mit einer starken Grundidee, der jedoch in der Ausführung nicht ganz überzeugen kann. Die Prämisse eines Kammerspiels in Echtzeit mit hohen Einsätzen ist brillant, aber der Film schafft es nicht, sein volles Potenzial auszuschöpfen.
Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich selbst wahrscheinlich keinen guten Film schreiben könnte - und gerade deshalb habe ich großen Respekt vor jedem Versuch, eine so ambitionierte Idee umzusetzen. Mercy ist kein perfekter Film, aber er wagt etwas und bleibt im Gedächtnis.
Urteil: Ein interessantes Experiment mit starker Prämisse, das leider nicht ganz den erhofften Erfolg bringt. Sehenswert für Fans von Science-Fiction-Thrillern und Chris Pratt, aber kein Meisterwerk.